Bunsoh Schalenstein 2017-04-07T11:19:46+00:00

AktivRegion Dithmarschen
„Touristische Kulturwege zur Megalithkultur“

Der Schalenstein von Bunsoh – ein einzigartiges Denkmal in Deutschland

Der größte und bekannteste der mindestens sechs bekannten Albersdorfer Schalensteine, ist der große Schalenstein aus Bunsoh. Der Meldorfer Amtsgerichsrat Westedt fand ihn 1874 durch eine Ausgrabung am Hügel. Eine Baumsargbestattung der älteren Bronzezeit lag über dem eigentlichen Megalithgrab, welches erst später durch eine weitere Ausgrabung 1908 von C. Rothmann sachgemäß dokumentiert wurde. Der Schalenstein ist der westliche von drei Decksteinen des Ganggrabes, einer „Holsteiner Kammer“. Das Grab ist exakt Ost-West ausgerichtet und besitzt einen Gang nach Südosten, der heute nicht mehr erkennbar ist. Der Sandstein misst 2,48 m in der Länge, 1,85 m in der Breite und 1,12 m in der Höhe. Die Motive auf dem Stein sind außergewöhnlich: Es lassen sich weit über 200 Schalen zählen, außerdem ein deutliches Radkreuz und ein Schalen-Kreismotiv. Des Weiteren befinden sich zwei Handpaare, deren Handflächen ebenso aus Schälchen bestehen und ein einzelner Fuß auf der Oberseite des Decksteins. Ob es sich bei zwei anderen langschmalen Vertiefungen um Füße handelt, ist nicht sicher festzustellen. Dieser Stein weist außerdem einige Rinnen auf, die mehrere Schalen verbinden. Die Datierung des Schalensteins ist recht unsicher. Die Keramikfunde aus dem Grab datieren nach neuen Untersuchungen in die Denghoog-Stufe, stammen also aus der Trichterbecherzeit. Sie sagen allerdings nichts über die Entstehungszeit des Grabes an sich aus. Offiziell wird das Grab zwischen 3500-3200 v. Chr. datiert, wobei die jüngere Bestattung  in die Zeit um 1700 v. Chr. zu setzen ist. In der Zeit zwischen ca. 3.000 v. Chr. und 1.700 v. Chr. müssen die Verzierungen angebracht worden sein. Warum nur dieser Stein verziert ist und die benachbarten Decksteine unverziert blieben, ist eine weitere interessante Frage.

Die Albersdorfer Steine zählen zusammen mit denen anderen aus Schleswig-Holstein zum nordischen Verbreitungskreis der Felsbilder. In Norddeutschland und Dänemark sind Schälchen bei weitem das häufigste Motiv, wobei sie meist auf der Oberseite (Schauseite) von Decksteinen vorkommen. Dabei wurde jeweils regulär nur ein Stein zur Verzierung ausgewählt. Auch das Radkreuz-Motiv und Schalen-Kreismotiv sind in Dänemark ähnlich oft auf den Steinen zu sehen wie in Norddeutschland. Da die dänischen Exemplare jedoch weitaus öfter durch Beifunde datiert werden können, bietet sich hier eine Vergleichsmöglichkeit für die Datierung der Schalensteine. Handdarstellungen aus Dänemark weichen vollständig von der norddeutschen Darstellungsweise ab. Füße sind zwar ähnlich dargestellt, kommen bei uns aber nur selten vor. Des Weiteren konnte die Theorie aufgestellt werden, dass breite Rinnenmotive, welche zwei Schalen verbinden, auch für Füße stehen könnten.

Über die Bedeutung der Schalensteine liegen bisher keine sicheren Erkenntnisse vor. Man vermutet zum einen, dass die Steine für einen Fruchtbarkeitskult gedient haben könnten. Zum anderen könnten sie als Flächen für den Ausdruck von Kreativität fungiert haben, da kaum andere Flächen zur Verfügung standen, die nicht aus vergänglichem Material bestanden. Ein weiterer Aspekt betrifft das Gesteinsmehl, welches als Abfallprodukt bei der Steinbearbeitung anfällt. Dieses soll eine heilende Wirkung besitzen, welche in zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln bereits diskutiert wurde. Vor allem Handwerker würden auch heutzutage noch den Steinstaub zur Desinfektion und schnelleren Heilung von Wunden nutzen. Die Schalen wären demnach nur ein Mittel zum Zweck gewesen. Eine weitere Tatsache ist,  dass bis heute noch einige Kulturen Blutopfer auf solchen Schalensteinen durchführen. Dies gibt uns jedoch keinen direkten Hinweis darauf, welchen Zweck die Steine damals gehabt haben. Ein kultischer Zweck ist jedoch anzunehmen. Die Beziehungen zu einer Art Sonnenkult oder Wachstumskult sind recht deutlich, da sowohl Sonnensymbole, als auch Geschlechtssymbole eine große Rolle in dem Motivspektrum der Schalensteine spielen. Dabei geht man davon aus, dass Rinnen männliche und einfache Schalen oder Ritzen weibliche Geschlechtsteile symbolisieren könnten. Allerdings sollte man sich gerade bei einem so komplexen Thema, wie der Bedeutung der Schalensteine keine voreiligen Interpretationsversuche erlauben. Hier sind noch einige Forschungsfragen zu beantworten. Diese Felsbilder Nordeuropas sind insgesamt großartige Zeugnisse vergangener Kulturen, die noch keine Schriftlichkeit besaßen und sich auf andere Weise ausdrücken wollten.

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