Brutkamp 2017-04-07T11:13:40+00:00

AktivRegion Dithmarschen
„Touristische Kulturwege zur Megalithkultur“

Der Brutkamp – Der größte Deckstein von ganz Schleswig-Holstein!

Beim Großsteingrab „Brutkamp“ handelt es sich um eines der bedeutendsten und bekanntesten archäologischen Denkmäler im Kreis Dithmarschen. Es besitzt den größten Einzeldeckstein eines Großsteingrabes in Schleswig-Holstein und ist damit auch überregional von kulturgeschichtlicher Bedeutung. Eine neue Messung hat – nach vielen Spekulationen und unterschiedlichen Angaben in der Literatur – ein genaues Gewicht des „Brutkampsteins“ von knapp 23 Tonnen ergeben. Nähert sich der Besucher heute der Anlage, die in einem kleinen parkartigen Gelände eingefügt ist und von teilweise sehr alten Linden hainartig umgeben wird, kann er noch immer den Zauber und die Faszination dieser monumentalen Grabanlage erleben, welche die Steinzeitmenschen vor über 5.000 Jahren mit großer Mühe als „Haus für die Toten für die Ewigkeit“ erbaut haben. Da es sich allgemein bei den Großsteingräbern um die älteste erhaltene Architektur Mitteleuropas handelt, kann man heute rückschauend sogar sagen, dass ihnen dies bisher gelungen ist.

Beim Brutkamp handelt es sich um einen „erweiterten Polygonaldolmen“, der im Südosten an einer Schmalseite der großen (deshalb „erweiterten“) mehreckigen (deshalb „polygonalen“) Grabkammer einen Eingang aufweist. Von dem Gang sind noch die Oberseiten der Tragsteine der ehemals mit Decksteinen abgedeckten schmalen Zuwegung erhalten und – obwohl leicht verrückt – gut sichtbar. Auf sechs mächtigen, max. 60 cm aus der Erde ragenden Tragsteinen ruht der gewaltige Deckstein, der einen Umfang von 9,80 m besitzt. Die Zwischenräume der Tragsteine waren zur Zeit der Erbauung der Grabanlage mit plattigem Trockenmauerwerk ausgefüllt. Das Megalithgrab liegt in einem heute flachen Hügelrest von ca. 15 m Durchmesser und etwa einem Meter Höhe. Aus dem Rundhügel ragen noch einige größere Steine heraus, die möglicherweise die ursprüngliche Steineinfassung des Hügel markieren. Die kleineren Feld- oder Rollsteine in der Nähe der Grabkammer weisen darauf hin, dass beim Bau des Erdhügels wohl auch eine Schicht aus rundlichen Steinen eingebracht wurde. Die Grabkammer, die einen Boden aus Rollsteinen und einer darauf ausgelegten Schicht aus gebrannten Feuersteinsplittern aufgewiesen haben dürfte, ist heute zum großen Teil verfüllt. Wahrscheinlich war sie zur Zeit der Erbauung und Nutzung so tief, dass man zumindest gebückt in ihr stehen konnte. Die Grabkammer wird nach ihrer Errichtung während der Trichterbecherzeit vor ca. 5.500 Jahren regelmäßig zu bestimmten (Fest-)Tagen geöffnet und die Verstorbenen bzw. ihre Gebeine hineingebracht worden sein.

Im Jahr 2009 hat es zum ersten Mal eine kleinere archäologische Ausgrabung im Brutkamp gegeben, wo unter Leitung von Dr. Hauke Dibbern vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel ein Abschnitt im Eingangsbereich des Brutkamp ergraben werden konnte. Dabei konnte der genaue Schichtaufbau des Hügels mit mindestens fünf verschiedenen Bauphasen ermittelt werden. Außerdem wurde die Datierung der frühesten Anlage um über 400 Jahre älter, die mit nun ca. 3.600 v. Chr. angegeben werden kann. Funde von Keramik, Flintgeräten und auch eine Bernsteinperle zeigen die verschiedenen Nutzungsphasen des Großsteingrabes an. Eine Besonderheit war der Fund eines sog.  Schalensteins, der als Deckstein für den Zugang zur Grabkammer gedient haben dürfte und in der Dauerausstellung im Albersdorfer Museums zu sehen ist.

Bilder

Aufsicht vom Brutkamp mit Kartierung des Decksteins, der Umfassungssteine, der Rollsteine der ehem. Hügelschüttung und des Grabungsschnitts von 2009 (nach Dibbern 2016)

Die Nutzungsphasen des Brutkamp (nach Dibbern 2016)

Der im Eingangsbereich des Brutkamp 2009 gefundene Schalenstein (nach Dibbern 2016)

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